Beikost Ammenmärchen

Vor dem Brei, Karotten- oder Obstsaft in die Milch mischen
Eine veraltete Empfehlung für Kinder, die nicht gestillt wurden. Sie stammt aus der Zeit, in der Kinder mit Kuhmilch-Hafer-Schleim, Schmelzflocken, etc. ernährt wurden. Dieser, für Babys völlig ungeeigneten Mischung, fehlen lebensnotwendige Vitamine, die in dieser Form zugesetzt werden mussten. Bei der heutigen künstlichen Milchnahrung ist dies nicht mehr notwendig, bei Stillkindern sowieso nicht. Auch das Argument der Geschmacksgewöhnung ist haltlos, denn Gemüse in Milch hat geschmacklich nichts mit reinem Gemüse gleich. Ausserdem greift Obst, besonders Karottensaft, die Zähne an.

Das Baby braucht Beikost, wenn es sich für das Essen der Eltern interessiert
Babys interessieren sich für fast alles, sobald ihr Sichtradius wächst und schon Neugeborene ahmen Mimiken und Gesichtszüge, so z.B. das Kauen, nach.

Das Baby braucht Beikost, wenn es Zähne bekommt
Wenn ein Baby einen Zahn bekommt, bedeutet das, dass es einen Zahn bekommt. Nicht mehr und nicht weniger. Es gibt Babys, die kommen mit Zähnen zur Welt, andere zahnen erst lange nach dem ersten Geburtstag, wenn sie schon am Familientisch essen!

Das Baby braucht Beikost, wenn es ständig etwas in den Mund nimmt
Dies ist ein völlig normaler Entwicklungsschritt mit meist 3-5 Monaten: das Baby erforscht alles, was es in die Händchen bekommt und nutzt dabei seine hochempfindliche Zunge.

Das Baby braucht Beikost, wenn  es verstärkt sabbert
Sabbern hat meist mit einschiessenden oder durchbrechenden Zähnen zu tun, aber auch mit der verbesserten Mundmotorik mit 3-4 Monaten: das Baby formt den Mund bewusst und bildet erste bewusste Laute, wodurch der Speichelfluss angeregt wird.

Das Baby braucht Beikost wenn es 4 Monate ist
Diese Empfehlung ist inzwischen revidiert. Sie stammt noch aus der Zeit, zu der die meisten Kinder mit künstlicher Säuglingsmilchnahrung gefüttert wurden. Noch vor wenigen Jahren hatte diese keine so hohe Qualität wie heute! Die aktuelle Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO lautet mindestens 6 Monate voll zu stillen oder einen entsprechenden Muttermilchersatz zu füttern.

Gering zunehmende Babys sollten früher Beikost erhalten
Anfangsbeikost hat niemals soviel Kalorien wie Muttermilch. Ein Baby müsste z.B. fast ein Kilo Karotten essen, um auf die Kalorienmenge von gut 200 ml Muttermilch zu kommen.

Muttermilch enthält kein Eisen
Die Eisendepots des Babys reichen normalerweise ca. 6-8 Monate. Muttermilch enthält tatsächlich nur wenig Eisen. Dafür kann diese um ein Vielfaches besser vom kindlichen Körper verwertet werden.

Eine ordentliche Portion Brei am Abend lässt  Babys durchschlafen
Wenn es so einfach wäre, müsste niemand über Schlafprogramme diskutieren. Tatsächlich stellen viele Eltern fest, dass ihre Kinder nach einer Breimahlzeit sogar eher wieder Hunger bekommen. Das liegt daran, dass der noch unreife Verdauungstrakt des Babys die Mahlzeit noch gar nicht richtig verwerten kann, die Nährstoffe kommen quasi ungenutzt wieder “unten raus”. Nicht wenige Kinder schlafen nach einem “Abendbrei” eher schlechter, da die Nahrung ihnen „schwer“ im Magen liegt.

Traubenzucker ist gesund
Traubenzucker (Glukose) ist ein sogenannter Einfachzucker (Monosaccharid). Er ist sowohl Bestandteil des  Zuckers (Saccharose = Disaccharid, bestehend aus 1 Teil Glukose + 1 Teil Fruktose), als auch beispielsweise in Früchten, Gemüse und Honig enthalten. Industriell wird Traubenzucker aus Mais-, Weizen- oder Kartoffelstärke isoliert. Er ist ein schneller Energielieferant, seine Süßkraft ist nur halb so hoch wie die des Zuckers. Isolierter Traubenzucker in Form von Lollis, Bonbons u. ä. liefert wie sein „großer Bruder“ namens Zucker „leere“ Kalorien und Karies und ist deswegen keine gesunde Süßigkeit.

Milchzucker fördert die Verdauuung
Milchzucker führt zwar bei einigen Kindern tatsächlich zur Stuhlentleerung, kann aber den Stuhlgang so wässrig werden lassen, dass Ihr Baby einen Flüssigkeitsmangel bekommen könnte.
Bei manchen Babys führt Milchzucker auch dazu, dass die Verstopfung noch schlimmer wird.  Ferner verursacht Milchzucker häufig sehr starke Blähungen.